Chronik

Die früher selbstständige Gemeinde Zell, liegt im südlichen Landkreis, eingebettet zwischen Moränenhügeln im Zellertal. Trotz der Eingemeindung nach Grönenbach im Zuge der Gebietsreform hat sie in vielen Dingen ihre Eigenständigkeit bewahrt. Ein reges Vereinsleben ist Ausdruck der Verbundenheit seiner Bürger. Hier muss besonders die Schützengesellschaft erwähnt werden, die seit ihrer Gründung im Jahre 1866 auf eine 134-jährige Vereinsgeschichte zurückblicken kann. Die folgenden Ausführungen sollen ihnen ein Bild über die wichtigsten Ereignisse seit der Gründung vermitteln.

Drei Männer waren es, die im Jahre 1866 den Verein gründeten:

-         Xaver Hörberg, Bauer in Hohmanns

-         Jakob Biechteler, Jagdaufseher beim 

-         Forstamt Grönenbach

-         Max Sepp, Hafnermeister in Zell

 

Der Schießstand war vor dem Hause des Jakob Biechteler auf freiem Felde. Ging das Schießen anfangs so leidlich, so stellten sich doch nach und nach auch Schützen aus Woringen und Grönenbach ein.

Um die damals noch recht primitive Schießanlage zu verbessern, sollte ein Preisschießen die nötigen Mittel beschaffen. Allerdings kam man auch schon zu damaliger Zeit mit dem Amtsschimmel ins  Gehege. Schützenmeister Georg Rogg gab in der Zeitung bekannt, daß auf der neuen statt auf der neurenovierten Schießanlage ein Preisschießen stattfindet. Das kgl. Bezirksamt nahm von der Anzeige Kenntnis, und da keine Pläne für die Schießanlage vorlagen, wurde das Schießen kurzerhand untersagt. Die Aufregung war nun groß. Zunächst war man ratlos. Aufgeben wollte niemand, so war beschlossen eine neue Schießanlage zu bauen.

 

Der Schuhmachermeister Fink stellte den Platz hinter seinem Haus kostenlos zur Verfügung. Sämtliche Arbeiten wurden freiwillig verrichtet, das nötige Material gespendet, sodass letztlich mit der Genehmigung durch das kgl. Bezirksgericht wieder geschossen werden durfte. In den folgenden Jahren, war die Schießanlage beliebter Treffpunkt für die Schützen aus Zell und der näheren Umgebung. In den Anfangsjahren wurde nur mit Vorderladern geschossen. Um die Jahrhundertwende wurden diese dann vom Feuerstutzen abgelöst. 

 

Immer mehr Schützen beteiligten sich nun an den sonntäglichen Schießveranstaltungen, sodass Überlegungen in Gang kamen, eine neue, größere Anlage zu bauen. So entstand 1904 beim heutigen Anwesen Badent eine neue, größere und vom Wetter unabhängige Schießstatt. Unter Anweisung von Zimmermeister Bufler entstand so ein schmucker, stabiler Bau. Ein gelungenes großes Preisschießen war nicht nur ein gesellschaftliches Ereignis, sondern kam auch der Vereinskasse sehr zu Gute.

So rückte der erste Weltkrieg heran, der auch viele aktive Schützen zu den Waffen rief. Während des Krieges ruhte der Schießbetrieb vollständig. Nach Beendigung des Krieges hatte die Schützengesellschaft 5 Gefallene zu beklagen.

Die allgemein schlechte Wirtschaftslage nach dem Krieg und die einsetzende Inflation ließen den Schießbetrieb auch Jahre nach dem Krieg nicht aufleben. So dauerte es bis zum Jahre 1924, um die Schützengesellschaft wieder in Schwung zu bringen. So wurden am 22. Mai 1924 alle ehemaligen Schützen ins Gasthaus >>ADLER<< zu einer Generalversammlung eingeladen, wobei folgende Vorstandschaft gewählt wurde:

-         1. Schützenmeister: Josef Geiger Mühlenbeisitzer

-         2. Schützenmeister: Max Rogg, Bader

-         Schriftführer und Kassier: Wendelin Hartmann, Lehrer

-         Schützenwart: Fridolin Sepp, Hafnermeister

 

Das Vereinsleben war nun wieder in geordneten Bahnen. 1926 fand zum 60-jährigen Bestehen der Schützengesellschaft ein großes Jubiläumsschießen statt. Schützen aus Memmingen, Grönenbach, Woringen und Hetzlinshofen waren eine große Konkurrenz für unsere Schützen.

23 aktive Schützen und 10 Ehrenmitglieder zählte damals der Verein. Nicht nur am heimischen Stand waren unsere Schützen anzutreffen. Bei den umliegenden Vereinen waren sie regelmäßig gern gesehene Gäste. Hervorzuheben wäre, daß der damalige Schützenmeister beim 1. und 2. Gauschießen beidemale die 

Gauschüzen-Königswürde erlangte.

Neben der erwähnten Feuerstutzengesellschaft wurden immer wieder Bestrebungen laut, einen Kleinkalieberverein zu gründen.

 

Am 01.04.1927 berief der 1. Schützenmeister der Feuerstutzengesellschaft Josef Geiger alle Jungmänner ins Gasthaus >>ADLER<< zu einer Versammlung ein, und erklärte ihnen den Sinn und Zweck des neuen Vereins.

Bestärkt wurde der Wunsch durch eine Spende eines Kleinkalibergewehres durch den Bay. Krieger- und Kyffhäusserbund, deren Absicht es war, nach dem verlorenen Krieg, den vaterländischen Gedanken zu stärken und den Umgang mit dem Gewehr zu erlernen. Mit 21 Unterschriften war der Kleinkaliberverein gegründet. Als Vorstand wurde gewählt:

-         Schützenmeister: Georg Schuhmacher

-         Schriftführer: Georg Gropper

-         Kassier: Martin Schedel

 

Es ging nun eifrig daran ein Schützenheim zu errichten. Die Gemeinde stellte die alte Kiesgrube als Baugrund kostenlos zur Verfügung. Schon am 09.07.1927 war das Aufrichtfest und am 31.07.1927 konnte das erste Probeschießen abgehalten werden. Am 27.11.1927 fand das Endschießen statt. Am 11.12.1927 war die 1. ordentliche Generalversammlung. Noch während der Bauzeit übernahm Maurermeister Josef Epp das Amt des 1. Schützenmeisters. Vom 06.-20.05.1928 fand das große Eröffnungsschießen statt, an dem sich 104 Schützen beteiligten. Das Ehrenprotektorat hatte der Baron Vequel von Westernach von Schloss Kronburg übernommen.

Die anfängliche Begeisterung ließ mit der Zeit nach. Zwei Schützenvereine in einem Dorf erwiesen sich als ungünstig. Es wurden Stimmen laut, die beiden Vereine zusammenzuführen. Am 27.01.1934 machte 1. Schützenmeister Xaver Wilhelm den Vorschlag zur Vereinigung. Er wurde mit großer Mehrheit angenommen. Dieser Tag war das Ende des Kleinkaliebervereins in Zell. Neben den Erstgenannten Schützenmeistern waren noch Konrad Schönauer von 1928 – 1933 und Xaver Wilhelm von 1933 – 1934 tätig.

Jedes Jahr gab es Neuzugänge zu verzeichnen. Als Max Jörg 1929 dem Verein beitrat und sich als Bäcker in Zell niederließ wurde das Klausenschießen eingeführt. Dieses Gesellschaftsschießen hat bis zum heutigen Tag nichts von seiner Beliebtheit verloren. Am 02. August 1936 fand auf der Feuerschießstätte das 1. Königsschießen statt. Gleichzeitig wurde eine damals noch bescheidene Schützenkette zum Preis von 83,- Reichsmark gekauft. Diese Schützenkette wird seither immer vom jeweiligen Schützenkönig um eine Gedenkmünze erweitert, sodass unsere Schützenkette heute schon historischen Wert besitzt. 25 Schützennahmen am 1. Königsschießen teil, wobei Michael Mendler mit einem 287 Teiler die erste Königswürde errang.

Wieder verdüsterte sich der politische Himmel. Der 2. Weltkrieg brach aus. Nach 1942 ruhte der Schießbetrieb abermals gänzlich. Wieder hatte der Verein Gefallene und Vermisste zu beklagen. Nach Beendigung des 2. Weltkrieges untersagte die amerikanische Militärregierung jegliche Vereinstätigkeit. Zu dieser Zeit wurden alle Waffen, ob Feuerstutzen, Zimmerstutzen oder Kleinkaliebergewehre vom Amerikanern vernichtet.

 

So kam das Jahr 1952. Es war wieder erlaubt, Vereine zu führen. Was lag näher, als die Schützengesellschaft wieder neu zu gründen. Auf Anregung von Schützenmeister Fridolin Sepp kam es am 13.11.1952 zu einer Zusammenkunft im >>ADLER<<, die zum Ziele hatte, eine Vereinsleitung zu berufen. Folgende Schützenkameraden waren bereit für ein Jahr den Verein zu führen:

-         1. Schützenmeister: Fridolin Sepp

-         2. Schützenmeister: Vinzenz Peter

-         Zeugwart: Max Jörg

-         Beisitzer: Heinrich Wegmann

-         Beisitzer: Ludwig Weiß

 

Die Schießabende begannen am 20. November mit einer stattlichen Zahl von Schützen. Bei der folgenden Generalversammlung am 5. November 1953 vollzog sich ein Generationswechsel, der durch Neuwahlen folgendes Ergebnis als Vorstandschaft brachte:

-         1. Schützenmeister: Xaver Wilhelm

-         2. Schützenmeister: Konrad Schönauer

-         Schriftführer: Ludwig Weiß

-         Kassierer: Heinrich Wegmann

-         Zeugwart: Max Jörg

-         Beisitzer: Georg Wilhelm

-         Beisitzer: Josef Näher

 

Die Mitgliederzahl belief sich auf 25 aktive und 2 Ehrenmitglieder. Die Satzung aus dem Jahre 1908 wurde durch eine neue ersetzt.

Am 4. September 1955 brannte das Vereinslokal nieder. Man konnte daraufhin den Schießbetrieb vorübergehend beim Fischwirt weiterführen. Nachdem das Gasthaus >>ADLER<< wieder aufgebaut war, konnten die Schützen wieder in ihr angestammtes Lokal zurückkehren. Vieles wurde verbessert, angeschafft, jedoch zeigte es sich in den folgenden Jahren immer mehr, dass der Schießbetrieb in Gasträumen nicht mehr zumutbar und auch erweiterungsfähig war. 1967 konnte man dann die Schießanlage in den Keller verlegen und von 2 auf 6 Stände erweitern. Wieder hatten Fleiß, Idealismus und Zusammenarbeit den Verein ein Stück weitergebracht.

Ein besonderer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war das 100-hährige Jubiläumsfest im Jahre 1966. Zum Festabend am 22.10.1966 konnte 1. Schützenmeister Konrad Schönauer neben allen Schützenkameraden viele Gäste begrüßen. Bei den folgenden Schießabenden waren die Jubiläumsfest- und Meisterscheibe hart umkämpft. Schöne Preise waren der Lohn.

Im Jahre 1973 erfolgte der Beitritt zur Südpokalgemeinschaft.

Ein erster unbestrittener Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war das Gauschießen 1976 in Zell vom 30. Juli – 15. August 1976, an dem sich 1154 Schützen beteiligten! Am 1. August 1976 wurde im Rahmen des Gauschießens die neue Vereinsfahne eingeweiht!

Waren es 1953 26 Mitglieder, so war diese Zahl in den folgenden Jahren ständig am steigen, sodass 1976 erstmals 100 Mitglieder bei der Generalversammlung vermeldet werden konnten. So war es nicht verwunderlich, dass die Anlage im Keller mit ihren 5 Ständen bald wieder zu klein wurde. Unter Schützenmeister Lothar Lehmann wurde 1977 die heutige moderne Schießanlage im Adlersaal hergestellt. Neben den 5 Ständen im Keller, stehen nun insgesamt 16 Stände zur Verfügung. In seiner Amtszeit fällt auch die Einführung einer Jungschützenkette im Jahre 1973. Seit dieser Zeit tritt im Verein neben dem gesellschaftlichen auch die sportliche Seite immer mehr in den Vordergrund. Bei den verschiedenen überörtlichen Wettkämpfen bringen unsere Schützen immer wieder gute Ergebnisse.

War es über Jahrzehnte selbstverständlich, dass der Schießsport eine reine Männersache sei, so sind heute Frauen und Mädchen dem Verein ebenso willkommen. Die steigende Zahl derer beweist das.

Einheitliche Schützenkleidung wurde im Jahre 1986 angeschafft!

Ein weiterer Meilenstein in der Vereinsgeschichte war das zweite durchgeführte Gauschießen des Schützengaues Memmingen in Zell. Anlässlich des 125-jährigen Vereinsjubiläum wurde diese sportliche Veranstaltung vom 21. Juni – 7. Juli 1991 durchgeführt. Es nahmen 1517 Schützen daran teil.

Hat unser Verein unter Leitung von 1. Schützenmeister Lothar Lehmann eine steile Aufwärtsentwicklung genommen, so setzt sich diese unter 1. Schützenmeister Siegfried Riegg, seit 1986 im Amt, fort.

 

Im Jahre 1999 zählt die Schützengesellschaft Zell bereits 160 Mitglieder!

 

Verfasser:

Siegfried Riegg, 1. Schützenmeister